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22 Kilometer Naturgenuss mit Rollstuhl am Rursee und Urftsee

Eine Tour am Rursee mit Rollstuhl stand eigentlich gar nicht auf unserem Plan. Doch als ich mir die Wander- und Radkarte rund um den Rursee anschaute, entstand spontan die Idee zu dieser 22 Kilometer langen Tour bis nach Gemünd. Unser Plan war schnell gefasst: Mit dem Auto ließen wir uns bis nach Rurberg fahren. Von dort aus starteten wir unsere Tour entlang des Rursees in Richtung Urfttalsperre.

Rurberg am frühen Morgen mit Spiegelung der Häuser im Rursee. Rurberg liegt direkt am Rursee im Nationalpark Eifel und ist ein beliebter Ausgangspunkt für Wanderungen und Naturerlebnisse.

Früh am Morgen lag Rurberg noch ganz still vor uns. 

Rurberg am frühen Morgen mit Spiegelung der Häuser im Rursee. Rurberg liegt direkt am Rursee im Nationalpark Eifel und ist ein beliebter Ausgangspunkt für Wanderungen und Naturerlebnisse.

Die Spiegelungen auf dem Wasser waren so perfekt, dass man kaum erkennen konnte, wo der See endet und der Himmel beginnt.

Beim überqueren der Brücke, beginnt eine andere Welt.

Für mich war dieser Anblick der perfekte Start in den Tag. Die Ruhe, die Spiegelungen und das Licht machten die Tour von Anfang an zu etwas Besonderem.

Da es noch sehr früh war, glitzerte die Sonne auf dem Wasser und die Vögel begrüßten den Morgen mit ihrem Gesang. Die Luft war angenehm frisch und der See lag fast spiegelglatt vor uns.

🌿 Rursee mit Rollstuhl – entlang des Wassers

Schon nach den ersten Metern war klar: Diese Strecke wird eine meiner Lieblingsrouten.

Immer wieder eröffneten sich wunderschöne Ausblicke auf das Wasser. Der Weg verläuft direkt am See entlang, vorbei an Wäldern und eingebettet in grüne Hügel. Stellenweise fühlte ich mich sogar ein wenig an Schweden erinnert.

Besonders gefielen mir die vielen kleinen Eidechsen, die immer wieder meinen Weg kreuzten 🦎. Die Morgensonne hatte sie aus ihren Verstecken gelockt und so sonnten sie sich auf den warmen Steinen am Wegesrand.

Der Weg lädt immer wieder dazu ein, kurz anzuhalten und die Ruhe der Natur zu genießen.

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🌿 Die Urfttalsperre – Technik, Geschichte und ein Stück Familiengeschichte

Nach einigen Kilometern entlang des Urftsees erreichten wir schließlich die Urfttalsperre.

Der Ausblick auf die Staumauer, die zwischen den bewaldeten Hügeln des Nationalparks Eifel liegt, löst bei uns sofort das Gefühl von Geschichte und Familie aus. Heute ist sie ein beliebtes Ausflugsziel für Wanderer, Radfahrer und Naturfreunde. Kaum vorstellbar, dass dieses Bauwerk bereits zwischen 1900 und 1905 entstand und bei seiner Fertigstellung als größte Talsperre Europas galt. Die Staumauer ist rund 58 Meter hoch und 226 Meter lang.

Für unsere Familie hat dieser Ort jedoch noch eine ganz besondere Bedeutung.

Der Urgroßvater meines Mannes, Giovanni Maria Sitta, gehörte zu den italienischen Arbeitern, die Anfang des 20. Jahrhunderts zum Bau der Urfttalsperre in die Eifel kamen. Wie viele andere verließ er seine Heimat in Norditalien auf der Suche nach Arbeit und fand schließlich in der Eifel eine neue Heimat.

In alten Zeitungsartikeln wird beschrieben, wie Giovanni im Jahr 1900 mit nur 23 Jahren aus der Provinz Belluno nach Deutschland kam. Zunächst arbeitete er in verschiedenen Regionen, bevor er schließlich beim Bau der Urfttalsperre eingesetzt wurde.

Nachruf

1904, im selben Jahr, in dem die Staumauer fertiggestellt wurde, heiratete er seine große Liebe Agnes aus Wollseifen. Dort lebte die Familie gemeinsam mit ihren Kindern bis zum Jahr 1927. Vielleicht kennt ihr Wollseifen ,auch im Internet unter “ Das tote Dorf“ , “ Wüstung Wollseifen“ bekannt, über das ich bereits einen eigenen Beitrag geschrieben habe.

Als die Familie das Dorf Wollseifen verlassen musste, kauften sie ein kleines Fachwerkhaus in Nierfeld. Dort lebte Giovanni bis zu seinem Tod unter dem Namen Johann. In einem Nachruf wird er sogar als letzter noch lebender italienischer Arbeiter erwähnt, der am Bau der Urfttalsperre beteiligt war.

Alter Zeitungsartikel

Ich habe oft mit meinem Schwiegerpapa über Johann, wie sie ihn nannten, gesprochen. Ich glaube, mit dem Tod meines Schwiegerpapas im vergangenen Jahr ist auch der letzte Mensch unserer Familie gegangen, der noch persönliche Erinnerungen an ihn hatte.

Wenn wir heute über die Staumauer laufen und den Blick über den See schweifen lassen, denken wir oft daran, dass Giovanni vor mehr als 120 Jahren genau hier gearbeitet hat. Und ohne ihn hätte ich nicht diese wunderbare Familie an meiner Seite, in der er allein schon optisch weiterlebt. Er war der Ursprung des Ganzen.

Für uns ist die Urfttalsperre deshalb nicht nur ein beeindruckendes Bauwerk, sondern auch ein Stück Familiengeschichte 💚.

✅ Wissenswertes zur Urfttalsperre

✅ Bauzeit: 1900 bis 1905

✅ Älteste Talsperre der Eifel

✅ Bei ihrer Fertigstellung die größte Talsperre Europas

✅ Rund 58 Meter hohe Staumauer

✅ Rund 226 Meter lange Mauerkrone

✅ Bestandteil des heutigen Nationalparks Eifel

Auf der Staumauer leben ganz viele kleine Urzeit- Tiere.

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🌿 Mit dem Rollstuhl vom Urftsee bis nach Gemünd

Von der Urfttalsperre aus ging es anschließend weiter entlang des Urftsees bis nach Gemünd.

Unterwegs passiert ihr einige besondere Punkte:

🌿 Urfttalsperre

✅ Barrierefreie Bird-Watching-Station

🌿 Victor-Neels-Brücke

🌿 Wunderschöne Ausblicke auf Rursee und Urftsee

Ein letzter Blick auf die Urfttalsperre

bevor es weiter zur barrierefreien Bird- Watching Station geht.

Ein kleiner Rastplatz. Von hier aus führt Euch auch ein Wanderweg hinauf zum 3,2km entfernten Ausblick „Hirschley“. Achtung! Nicht für Rollstühle!

Gerade die Kombination aus Wasser, Wald und den weiten Blicken gefällt mir besonders gut.

✅ Die Bird-Watching-Station am Urftsee

Ein weiterer Höhepunkt unserer Tour ist die barrierefreie Bird-Watching-Station am Urftsee.

Hierzu habe ich schon oft geschrieben, weil ich denke, dass diese Möglichkeit der Vogelbeobachtung bei uns im Nationalpark Eifel noch vielen Menschen unbekannt ist. Gerade weil dieser Beobachtungspunkt barrierefrei angelegt wurde und dank der unterschiedlichen Höhen auch für Rollstuhlfahrer geeignet ist, ist es mir eine Herzensangelegenheit, darüber zu berichten.

Alle wichtigen Informationen zu diesem Aussichtspunkt findet ihr hier*.

Ich hatte sogar schon das Glück, genau an dieser Stelle besondere Beobachtungen machen zu können. Welche Vögel sich zeigen, hängt oft von der Jahreszeit und auch ein wenig vom Glück ab. Man weiß nie, was einem erwartet und das macht es gerade so spannend.

2 Kormorane

Dieses Foto entstand im Herbst.

Auch die Informationstafeln wurden durchdacht gestaltet. Sie sind unterfahrbar und bieten interessante Informationen über die Vogelwelt im Nationalpark Eifel.

Besonders schön finde ich, dass man hier einfach einmal stehen bleiben und die Ruhe genießen kann. Während über dem See die Vögel ihre Kreise ziehen und ihr deren Gesang laut zuhören könnt, schweift der Blick über das Wasser und die bewaldeten Hänge des Nationalparks. Von dieser Stelle aus habt ihr außerdem einen direkten Blick auf Vogelsang IP und die umliegende Seenlandschaft.

✅ Barrierefreiheit

✅ Zwei Fernrohre mit 15-facher Vergrößerung in unterschiedlichen Höhen

✅ Auch für Rollstuhlfahrer sehr gut nutzbar

✅ Unterfahrbare Informationstafeln

✅ Gut erreichbar über den Urftseerandweg

✅ Eben befestigter Weg bis zur Station

✅ Rollstuhl-WC mit Euroschlüssel an der nahegelegenen Urfttalsperre

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🌿 Über die Victor-Neels-Brücke nach Vogelsang

Nach unserem Besuch an der Bird-Watching-Station führte uns der Weg weiter zur Victor-Neels-Brücke.

Schon von weitem wirkt die Brücke fast schwebend über dem Urftsee. Besonders dieses Farbenspiel auf dem Wasser gefiel mir an diesem frühen morgen sehr gut. Umgeben von Wasser, Wald und den bewaldeten Hängen des Nationalparks Eifel fügt sie sich erstaunlich unauffällig in die Landschaft ein.

Als ich mit meinem Rollstuhl über die Brücke fuhr, musste ich immer wieder stehen bleiben. Nicht nur wegen der wunderschönen Ausblicke auf den Urftsee, sondern auch weil dieser Ort eine interessante Geschichte erzählt.

Die Victor-Neels-Brücke wurde im Jahr 2009 eröffnet und verbindet seitdem den Urftseerandweg mit Vogelsang IP. Vor ihrem Bau mussten Wanderer und Radfahrer einen langen Umweg in Kauf nehmen, um auf die andere Seite des Sees zu gelangen. Mit ihren 124 Metern Länge überspannt sie den Urftsee stützenfrei und gilt heute als eine der wichtigsten Verbindungen im Nationalpark Eifel. Die Konstruktion wurde so geplant, dass sie sich möglichst schonend in die Natur einfügt. Für diese Bauart erhielt die Brücke sogar mehrere Auszeichnungen.

Einmal hin

und wieder zurück

Besonders interessant finde ich den Menschen, nach dem die Brücke benannt wurde. Victor Neels war von 1970 bis 1980 Kommandant der belgischen Streitkräfte in Vogelsang. Als junger Mann kämpfte er im Zweiten Weltkrieg noch in der belgischen Résistance gegen die deutsche Besatzung. Später setzte er sich jedoch intensiv für die Verständigung zwischen Belgiern und Deutschen ein und wurde für viele Menschen in der Region zu einem wichtigen Brückenbauer zwischen beiden Ländern.

Sein Engagement beschränkte sich dabei nicht nur auf Worte. Um die Bewohner vor Lärm und Gefahren zu schützen, ließ er bei Dreiborn eine Panzerumgehungsstraße bauen, damit die Militärfahrzeuge nicht mehr durch den Ort fahren mussten. Dadurch wurden die Anwohner von Lärm, Schmutz und den Gefahren des militärischen Verkehrs deutlich entlastet. Besonders spannend finde ich, dass ich genau auf dieser Straße heute selbst gerne mit dem Rollstuhl unterwegs bin. Damals wurde sie für Panzer gebaut und heute ist sie für mich einer der schönsten Wege zum Rollstuhl-Fahren rundum Dreiborn.

Außerdem engagierte sich Victor Neels sozial und ermöglichte behinderten Kindern einen Urlaub an der belgischen Küste. Für seine Verdienste um die Völkerverständigung erhielt er später das Bundesverdienstkreuz und wurde weit über die Region hinaus geschätzt.

Mein Schwiegerpapa hatte den Kommandanten damals eine ganze Zeit lang beruflich als Fahrer begleitet und erzählte mir nach meinen heutigen Besuchen der Victor-Neels-Brücke immer sehr gerne von den gemeinsamen Fahrten. Vielleicht macht genau das diesen Ort für mich noch ein kleines bisschen besonderer.

Denn auch mein Schwiegerpapa war ein wunderbarer und ganz besonderer Mensch, den ich schrecklich vermisse. Wenn ich heute über die Victor-Neels-Brücke fahre und an seine Geschichten denke, fühlt es sich ein wenig so an, als würde er mich auf dieser Tour noch ein kleines Stück begleiten. 💚

Von hier aus könnt ihr übrigens auch in Richtung Vogelsang weiterfahren. Die Entfernung beträgt etwa 1,7 Kilometer. Allerdings weist bereits das Hinweisschild darauf hin, dass auf diesem Abschnitt Steigungen von bis zu 16 % vorkommen. Für viele Rollstuhlfahrer dürfte dies nur mit entsprechender Unterstützung oder einem kräftigen Zuggerät möglich sein. Ich selbst habe es ehrlich gesagt nicht ausprobiert. Da ich bereits auf dem oberen Gelände von Vogelsang trotz einer Steigfähigkeit von 18 % mit meinem Elektromobil an einigen Stellen kein gutes Gefühl hatte, wollte ich es mit dem Rollstuhl erst gar nicht testen.

💚 An diesem Morgen war die Victor-Neels-Brücke gefühlt ganz alleine für uns da. Noch keine Wanderer, keine Radfahrer, nur das Glitzern des Wassers, das frische Grün der Wälder und die Ruhe sowie das Schnattern der Enten auf dem Urftsee des Nationalparks. Genau solche Momente und Situationen sind es, die mir besonders lange in Erinnerung bleiben.

Vielleicht eines der Gründe, warum ich so gerne über unsere Erlebnisse und dem Reisen schreibe. Denn so erlebe ich das ganze Geschehen noch einmal und tauche ab, in eine andere Welt.

Von nun an, ging es auf dem schnellsten Wege nachhause. Denn meine Muskeln brauchten eine Pause und mein Energie-Akku war leer.

Dabei wurde ich von diesen kleinen süßen Wundern begleitet.

Da sind sie, die Kormorane.

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✅ Rursee mit Rollstuhl – meine Erfahrungen

Aus meiner persönlichen Erfahrung eignet sich die gesamte Tour sehr gut für Rollstuhlfahrer, auch wenn sie offiziell nicht als barrierefreie Strecke ausgewiesen ist.

Die Wege sind überwiegend alle gut befahrbar und verlaufen ohne größere Schwierigkeiten direkt entlang des Wassers.

✅ Gut befahrbare Wege

✅ Wenige Hindernisse entlang der Strecke

✅ Wunderschöne Rastmöglichkeiten mit Seeblick

✅ Rollstuhl-WC mit Euroschlüssel an der Urfttalsperre

 

💚 Mein persönlicher Eindruck

Für mich war diese Tour einer dieser Ausflüge, bei denen man gar nicht weit wegfahren muss, um einen wunderschönen Tag in der Natur zu erleben.

Die Kombination aus Vogelstimmen, glitzerndem Wasser, den kleinen Eidechsen am Wegesrand und den weiten Ausblicken macht diese Strecke für mich zu einer perfekten Naturfahrstrecke in unserem Nationalpark Eifel.

Manchmal liegt das Gute eben direkt vor der Haustür 💚.

⚠️ Hinweis in eigener Sache

Alle Angaben in diesem Beitrag beruhen auf meinen persönlichen Erfahrungen zum Zeitpunkt meines Besuchs.

Bitte beachtet, dass sich Wegbeschaffenheiten, Beschilderungen, Barrierefreiheit oder Nutzungsbedingungen jederzeit ändern können. Was für mich mit meinem Rollstuhl oder Elektromobil gut befahrbar war, muss nicht automatisch für andere Menschen mit anderen Hilfsmitteln oder Einschränkungen gelten.

Jeder sollte seine eigenen Fähigkeiten, die Wetterbedingungen sowie die örtlichen Gegebenheiten vor Ort selbst einschätzen und entsprechend handeln.

Für die Vollständigkeit und Aktualität der Angaben kann ich daher keine Gewähr übernehmen.

 Ich hoffe dennoch, dass euch meine Erfahrungen bei eurer eigenen Planung weiterhelfen und wünsche euch eine wunderschöne Zeit in unserer Eifeler Natur💚.

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