Wollseifen ist ein Ort, der heute wie eine leere Weite wirkt und doch so viel Geschichte in sich trägt.
Mitten im Nationalpark Eifel liegt das ehemalige Dorf auf der Dreiborner Hochfläche. Wenn ihr heute durch Wollseifen geht, begegnen Euch Ruinen, Erinnerungen und den Spuren einer bewegten Vergangenheit.
Besonders berührt mich dieser Ort, weil auch die Uroma meiner Kinder mit ihrer Familie zu den Menschen gehörte, die ihre Heimat verlassen mussten.
Im August 1946 erhielten die Bewohner von Wollseifen die Anordnung, ihr Dorf innerhalb von nur drei Wochen zu räumen. Rund 500 Menschen verloren ihre Heimat, damit das Gebiet als Truppenübungsplatz genutzt werden konnte. Viele hofften auf eine Rückkehr, doch diese sollte niemals stattfinden.
Fast 60 Jahre lang lag Wollseifen anschließend im Sperrgebiet des Truppenübungsplatzes Vogelsang. Erst seit der Aufgabe des Truppenübungsplatzes Ende 2005 und der Öffnung des Gebietes ist das Dorf wieder öffentlich zugänglich.
Das wohl bekannteste Bauwerk in Wollseifen ist die ehemalige Kirche St. Rochus.
Ihre Geschichte reicht weit zurück. Die heutige Kirche wurde zwischen 1633 und 1635 erbaut und am 22. Oktober 1635 geweiht. Über Jahrhunderte war sie Mittelpunkt des Dorflebens.
Die letzte Messe wurde im Jahr 1946 gefeiert. Nach der Räumung des Dorfes wurde die Kirche durch militärische Übungen schwer beschädigt und brannte 1947 vollständig aus. Dabei ging die gesamte Inneneinrichtung verloren.
Heute könnt ihr die gesicherte Kirchenruine besuchen. Immer wieder, wenn ich dieser Kirche stehe, beschleicht mich ein seltsames Gefühl, wenn ich mich in Gedanken in die Zeit als dort Angst und Hoffnung herrschte zurückversetze. Dank des Engagements des Fördervereins Wollseifen konnten viele Bereiche erhalten und teilweise wiederhergestellt werden. Sogar der historische Wetterhahn schmückt inzwischen wieder den Kirchturm 🐓.
Während fast alle Wohnhäuser verschwunden sind, haben einige wenige Bauwerke die Zeit überdauert.
Besonders auffällig ist das kleine Trafohäuschen aus dem Jahr 1923. Es gehört zu den wenigen original erhaltenen Gebäuden des ehemaligen Dorfes und erinnert bis heute an das Leben der Menschen, die hier einst zuhause waren.
Auch die ehemalige Schule in Wollseifen beherbergt heute eine Ausstellung zur Geschichte Wollseifens und seiner Bewohner.
Immer wieder entdecken wir dort auf den alten Fotos und in den Geschichten Menschen, die zur Familie meiner Schwiegermama gehörten. Besonders spannend finde ich die Aufnahmen ihrer Onkel, die einst hier lebten und deren Alltag heute ein Stück weit wieder lebendig wird.
Gleichzeitig macht es mich auch traurig. Denn ich weiß, dass nicht alle aus der Familie von ihnen nach dem Krieg wieder lebend nach Hause zurückkehren konnten.
Mit der Barrierefreundlichkeit sieht es in Wollseifen leider nicht ganz optimal aus.
✅ Die Wege in Wollseifen sind überwiegend befestigt.
✅ Die wichtigsten Gebäude können von außen gut erreicht werden.
🚫 Teilweise gibt es deutliche Steigungen.
🚫 Einige Abschnitte in und um Wollseifen weisen Gefälle von deutlich mehr als 6 % auf.
Für meinen Outdoor-Rollstuhl stellte dies kein Problem dar. Wer jedoch einen Aktivrollstuhl nutzt oder auf Unterstützung angewiesen ist, sollte die Steigungen nicht unterschätzen.
Bitte nutzt nicht den Waldweg des Wildnis-Trails beziehungsweise Eifelsteigs zwischen Vogelsang IP und Wollseifen.
🚫 Steigungen von deutlich über 20 %
🚫 Für Rollstühle und die meisten Mobilitätshilfen ungeeignet
🚫 Bergauf wie bergab sehr anspruchsvoll
Die Strecke kann schnell gefährlich werden und ist aus meiner Sicht nicht barrierefreundlich.
Wildnistrail – Wegweiser
Typischer Wegabschnitt rund um Wollseifen. Landschaftlich reizvoll, für Rollstühle jedoch zu steil.
Jedes Mal, wenn ich durch Wollseifen gehe, denke ich an die Menschen und das Leben, das dort einmal vor langer Zeit stattgefunden hat.
Während viele Besucher die Ruinen sehen und keinen persönlichen Bezug zum Dorf und seiner Geschichte haben, sehe ich oft die Menschen dahinter. Familien, die ihre Heimat verlassen mussten. Kinder, die einst hier spielten so wie die Uroma meiner Kinder.
Ihr Vater war Giovanni Maria Sitta, einer der italienischen Arbeiter, die am Bau der Urfttalsperre beteiligt waren. Vielleicht erinnert ihr euch an ihn aus meinem Beitrag über die Urfttalsperre am Urftsee. Auch seine Geschichte ist eng mit dieser Region verbunden.
Ich denke an Menschen, die hofften, eines Tages nach Wollseifen zurückkehren zu können, deren Wunsch sich jedoch nie erfüllte.
Alle Angaben in diesem Beitrag beruhen auf meinen persönlichen Erfahrungen zum Zeitpunkt meines Besuchs.
Bitte beachtet, dass sich Wegbeschaffenheiten, Beschilderungen, Barrierefreiheit oder Nutzungsbedingungen jederzeit ändern können. Was für mich mit meinem Rollstuhl oder Elektromobil gut befahrbar war, muss nicht automatisch für andere Menschen mit anderen Hilfsmitteln oder Einschränkungen gelten.
Jeder sollte seine eigenen Fähigkeiten, die Wetterbedingungen sowie die örtlichen Gegebenheiten vor Ort selbst einschätzen und entsprechend handeln.
Für die Vollständigkeit und Aktualität der Angaben kann ich daher keine Gewähr übernehmen.
Ich hoffe dennoch, dass euch meine Erfahrungen bei eurer eigenen Planung weiterhelfen und wünsche euch eine wunderschöne Zeit in unserer Eifeler Natur.💚