🌿 Tour: RAVeL L45a • Bütgenbach – Losheimergraben
📏 Länge: 18,2 km
📍 Offizielle Tourenbeschreibung mit Karte & Streckenverlauf:
👉 Link zur Website von Ostbelgien*
Immer wieder, wenn wir zur Uniklinik nach Aachen fuhren, kreuzten wir in Roetgen die Vennbahn. Jedes Mal fragte ich mich, wohin dieser scheinbar endlose Weg wohl führen mag und wie seine Bodenbeschaffenheit wohl sein würde. Denn das, was ich von der Straße aus sah, wirkte sehr vielversprechend.
Bei der Vennbahn handelt es sich um eine ehemalige Bahntrasse, die heute auf rund 125 Kilometern von Aachen bis nach Troisvierges in Luxemburg verläuft. Unterwegs zweigen zahlreiche weitere Bahntrassenwege ab, die ebenso asphaltiert und hervorragend ausgebaut sind.
Meine Neugierde war geweckt. Also bestellte ich mir die passende Rad- und Wanderkarte und begann, das weit verzweigte Netz aus Rad- und Wanderwegen genauer zu erkunden. Auf Papier, durch Erfahrungsberichte und Videos im Internet verfolgte ich die verschiedenen Streckenverläufe.
Da ich die einzelnen Etappen der Vennbahn mit meinem Rollstuhl körperlich nicht bewältigen konnte und mir bei vielen der angegebenen Unterkünfte wichtige Informationen zur Barrierefreiheit fehlten, legte ich meinen Plan zunächst wieder beiseite.
Wie der Zufall es manchmal so will, kam meine Familie auf die Idee eines Kinobesuchs in Bütgenbach. Mein Retter in der Not meinte daraufhin, dass er mich doch einfach an der Vennbahn aussetzen könne. Sofort fielen mir die kleineren Bahntrassenwege ein, die von der Vennbahn abzweigen.
Und da war sie plötzlich: die RAVeL L45a, die von Bütgenbach bis Losheimergraben führt. Die Strecke ist 18,2 Kilometer lang und verläuft auf einer ehemaligen Bahntrasse durch die abwechslungsreiche Landschaft Ostbelgiens.
Die Gelegenheit war perfekt: Während meine Familie ganz in der Nähe im Kino saß, ging ich auf Entdeckungstour 👩🏻🦼.
Mein Startpunkt war das beeindruckende Viadukt von Bütgenbach. Vom Parkplatz unterhalb des Viadukts aus führte ein kurzer Weg hinauf auf die Trasse. Mit einem leicht mulmigen Gefühl wegen der einigen hundert Meter langen Auffahrt über den Feldweg machte ich mich auf den Weg.
Doch kaum oben angekommen, war ich plötzlich mittendrin. Gemeinsam mit Radfahrern, Spaziergängern und anderen Ausflüglern rollte ich über die ehemalige Bahnstrecke durch die Natur.
Besonders schön fand ich die ständigen Wechsel der Landschaft. Mal führte der Weg an Wiesen und Weiden vorbei, auf denen Kühe und Pferde friedlich grasten. Dann öffneten sich wieder weite Ausblicke über die Landschaft, bevor die Strecke erneut durch schattige Waldabschnitte verlief.
Zu Beginn meiner Route fuhr ich ein Stück entlang des Bütgenbacher Sees, auf dem kleine Segelboote ihre Bahnen zogen. Gerne wäre ich näher ans Wasser gefahren, doch ich hatte nur die Länge eines Kinofilms Zeit und wusste nicht, wie gut die Wege am Ufer befahrbar sind.
Also blieb ich brav auf meiner Bahntrasse und ließ stattdessen meine Kamera die Segelboote für mich einfangen. Die Ruhe entlang der Strecke war unglaublich angenehm. Abseits vom Straßenlärm hörte ich meist nur Vogelstimmen, das Rascheln der Blätter, in denen Vögel oder Mäuse unterwegs waren, und das leise Surren meines Motors auf dem Asphalt.
Ein besonderes Highlight war für mich das etwa 5,2 Kilometer lange Arboretum von Büllingen. Hier säumen zahlreiche angepflanzte und beschriftete Baumarten den Weg und machen die Strecke zu etwas ganz Besonderem. Selbst wer kein Pflanzenkenner ist, spürt schnell, dass dieser Abschnitt anders wirkt als die übrige Landschaft und mit viel Liebe gepflegt wird.
Der Weg vom Parkplatz hinauf zum Viadukt weist eine spürbare Steigung auf. Mit einem Elektrorollstuhl, Zuggerät oder Elektromobil stellt dies aus meiner Sicht kein Problem dar. Mit einem normalen Rollstuhl würde ich die Auffahrt ohne Begleitperson allerdings nicht empfehlen.
Oben am Viadukt angekommen erwartete mich eine angenehm breite und nahezu steigungsfreie Strecke. Genau das macht ehemalige Bahntrassen für viele Menschen mit Mobilitätseinschränkungen so interessant.
Die RAVeL L45a eignet sich aus meiner persönlichen Erfahrung sehr gut für:
✅ Rollstühle
✅ Elektrorollstühle
✅ Elektromobile
✅ Handbikes
✅ Fahrräder
Die durchgehend asphaltierte Strecke ist hervorragend ausgebaut und verfügt über eine sehr gute Wegbeschaffenheit.
Mein Startpunkt war das Viadukt von Bütgenbach. Geparkt habe ich direkt am Parkplatz unterhalb des Viadukts.
Von dort aus gelangt man über einen Feldweg hinauf auf die ehemalige Bahntrasse.
⚠️ Hinweis:
Die Auffahrt vom Parkplatz zum Viadukt ist recht steil und uneben ( Feldweg). Mit meinem Elektrorollstuhl war sie gut machbar. Mit einem normalen Rollstuhl hätte ich diesen Abschnitt ohne Begleitperson jedoch nicht alleine bewältigen können.
An diesem Sonntag war glücklicherweise nicht viel Betrieb, sodass ich mit meinen durchschnittlich etwa 8 km/h die schnellen Radfahrer nicht störte.
Ein wenig unheimlich fand ich allerdings vereinzelte E-Scooter- und Rollerfahrer, die ihr Gesicht hinter Helmen oder Tüchern versteckten. Begegnet man solchen Personen alleine in den dunkleren Waldabschnitten, fühlt sich das schon etwas merkwürdig an.
Beeindruckt hat mich auch die hervorragende Ausschilderung. Überall entlang der Strecke finden sich Rad- und Wanderknotenpunkte, die miteinander vernetzt sind. Dadurch lassen sich unzählige Touren individuell zusammenstellen. Mit einem derart großen und gut ausgebauten Wegenetz hatte ich ehrlich gesagt nicht gerechnet 👍🏻😃.
Als ich schließlich Losheimergraben erreichte, wartete meine Familie bereits auf mich. Der Kinofilm war vorbei und unser Zeitplan hatte tatsächlich perfekt gepasst 😊.
Was mir an dieser Tour besonders gefallen hat:
Man spürt unterwegs kaum, dass man sich zwischen Belgien und Deutschland bewegt. Die Landschaft geht ganz selbstverständlich ineinander über und zeigt einmal mehr, dass die Eifel keine Grenzen kennt.
Der einzige kleine Unterschied, an dem ich bemerkte, dass ich inzwischen wieder auf deutscher Seite unterwegs war, war die Randpflege der Strecke. Ab Deutschland wirkte vieles etwas ungepflegter und selbst manche Sitzbänke waren bereits verwittert oder von Pflanzen überwuchert.
Was ich auf dieser Tour allerdings vermisst habe, waren öffentliche Toiletten. Da punktet für mich nach wie vor der Bayerische Wald mit seinen zahlreichen sauberen und barrierefreien WCs.
Trotzdem bleibt die RAVeL L45a für mich eine wunderschöne Strecke, die ich ganz sicher nicht zum letzten Mal gefahren bin.
Die Angaben zur Barrierefreiheit, Wegbeschaffenheit, Streckenlänge und möglichen Einschränkungen beruhen auf meinen persönlichen Erfahrungen zum Zeitpunkt meines Besuches. Bedingungen vor Ort können sich jederzeit ändern.
Bitte schätzt eure eigenen Fähigkeiten, die eures Hilfsmittels sowie die aktuellen Gegebenheiten vor Ort selbst ein. Trotz sorgfältiger Recherche übernehme ich keine Gewähr für Vollständigkeit, Aktualität oder individuelle Eignung der beschriebenen Strecke.
Ich wünsche euch eine schöne Zeit in der Natur und viele besondere Momente unterwegs. 🌿