Nachdem wir trotz unserer Tour zu den Irreler Wasserfällen noch recht gut in unserem Zeit- und Akkuplan für Körper und Rollstuhl lagen, trafen wir spontan die Entscheidung, den Naturpark Südeifel Wanderweg Nr. 71 in Wolsfeld mit Rollstuhl gleich mitzuerkunden.
Schließlich lagen die beiden Startpunkte nur wenige Kilometer auseinander. So hatte sich unsere Autofahrt an diesem Tag richtig gelohnt.
Nach der für mich überraschend entspannten Tour an den Irreler Wasserfällen war ich gespannt, wie sich der Wanderweg Nr. 71 mit meinem Outdoor-Elektrorollstuhl fahren lassen würde.
Und zunächst sah auch alles ziemlich entspannt aus.
Doch nach etwa 1,8 Kilometern war dieses Gefühl ziemlich schnell vorbei.
Hilfsmittel: Outdoor-Elektrorollstuhl
Antrieb: Vorderradantrieb
Maximale Steigfähigkeit (Herstellerangabe): 18 %
Leergewicht des Rollstuhls: 152 kg
Körpergewicht: ca. 70 kg
Zusätzliche Ausrüstung: ca. 10 kg
Gesamtgewicht: ca. 232 kg
Messung der Steigungen: Outdooractive-App (Anzeige in Grad und Prozent)
Wetterbedingungen: sonnig, bis ca. 38 °C, trockene Wegverhältnisse
In meinen Tourenberichten nenne ich sowohl Grad (°) als auch Prozent (%).
Der Grund dafür ist einfach: Die maximale Steigfähigkeit von Rollstühlen und Elektromobilen wird von den Herstellern in Prozent angegeben, während Apps häufig Grad anzeigen. Damit ihr die Schwierigkeit einer Strecke besser einschätzen könnt, ergänze ich – soweit möglich – beide Werte.
| Kriterium | Einschätzung |
|---|---|
| 🌿 Natur | ⭐⭐⭐⭐ Schöne Waldabschnitte mit Mischwald sowie offene Feld- und Wiesenlandschaften |
| 🚶 Für Wanderer | ✅ Schöne und abwechslungsreiche Rundtour, allerdings mit deutlichen Steigungen und Gefällen |
| ♿ Mit meinem Elektrorollstuhl | ❌ Unter meinen Testbedingungen nicht empfehlenswert und an den starken Steigungen nicht selbstständig befahrbar |
| ⚠️ Größte Herausforderung | Steigungen bis 15 Grad / ca. 26,7 % in Verbindung mit teilweise losem Schotter und durchdrehenden Vorderrädern |
| 💚 Würde ich die Tour erneut fahren? | Nein, nicht mit meinem Outdoor-Elektrorollstuhl. Ohne Unterstützung hätte ich die Tour bereits an der ersten starken Steigung abbrechen müssen. |
Tour: Naturpark Südeifel Wanderweg Nr. 71 – Wolsfeld
Länge laut Naturpark: 10,5 km
Meine aufgezeichnete Länge: 10,6 km
Dauer meiner Tour: 2:31 Stunden
Start und Ziel:
Wolsfeld, Europastraße
bei der Kirche St. Hubertus
Offiziell ausgewiesen für: Swiss-Trac mit passendem Rollstuhl
Mein Test: Outdoor-Elektrorollstuhl
Offizielle Tourenbeschreibung:
➡️ Naturpark Südeifel Wanderweg Nr. 71 – Wolsfeld*
➡️ Zu meiner Tour bei Outdooractive*
Der Naturpark Südeifel stellt auf seiner Homepage zahlreiche Informationen für die Nutzung der ausgewählten Wanderwege mit einem Swiss-Trac zur Verfügung.
Die getesteten Routen werden in die Kategorien „leicht“, „mittel“ und „schwer“ eingeteilt. Nach meiner Rückmeldung hat der Naturpark die Bedeutung dieser Kategorien noch einmal ausführlicher definiert und die entsprechende Erklärung als Download auf seiner Homepage hinterlegt.
Zusätzlich gibt es für die ausgewählten Naturparkwanderwege detaillierte Routenpläne. Darin finden sich wichtige Hinweise zu den jeweiligen Strecken, beispielsweise zu Steigungen, Bordsteinen und weiteren Besonderheiten entlang der Route.
Wer eine der Touren plant, sollte sich diese Unterlagen deshalb unbedingt bereits vor dem Ausflug ansehen und herunterladen*.
Wer keinen eigenen Swiss-Trac besitzt, kann ein Rollstuhlzuggerät gegen eine geringe Gebühr an verschiedenen Service-Stationen im Naturpark Südeifel ausleihen.
Eine dieser Verleihstationen befindet sich beispielsweise im euvea Freizeit- und Tagungshotel in Neuerburg*.
Gerade auf abgelegenen Naturwegen kann es vorkommen, dass kein Mobilfunkempfang vorhanden ist.
Der Naturpark weist deshalb auf die App „Hilfe im Wald*“ von Landesforsten Rheinland-Pfalz hin. Werden die App und die benötigten Karten vorher heruntergeladen, können der eigene Standort und nahegelegene Rettungspunkte mithilfe von GPS auch ohne Mobilfunkempfang angezeigt werden.
Auch deshalb lohnt es sich, die Tour bereits zu Hause vorzubereiten und wichtige Informationen vorab auf das Smartphone herunterzuladen*.
Unser Startpunkt und gleichzeitig unser Parkplatz befand sich an der St.-Hubertus-Kirche in Wolsfeld. Von dort folgten wir dem Wegweiser mit der Nummer 71 und waren gespannt, was uns auf dieser Tour erwarten würde.
Nach der vorherigen Tour zu den Irreler Wasserfällen war ich eigentlich ziemlich zuversichtlich.
Doch nach etwa 1,8 Kilometern sprang meine körperliche und geistige Anspannung schlagartig wieder an.
Vor uns lag die erste größere Steigung.
Die erste Steigung hatte:14 Grad / fast 25 % Steigung. Dazu kam ein leicht loser Schotterbelag. Und genau diese Kombination kannte ich inzwischen nur zu gut. Meine Vorderräder begannen sofort durchzudrehen.
Ohne meinen „Retter in der Not“ hätte ich diese Tour bereits an dieser ersten Steigung abbrechen müssen. Und leider sollte es nicht die letzte bleiben.
Bis wir den höchsten Punkt unserer Wanderung erreicht hatten, lagen insgesamt noch drei weitere Steigungen vor uns.
Die stärkste davon hatte:
15 Grad / ca. 26,7 % Steigung
Wieder zeigte sich für mich, wie entscheidend nicht nur die reine Prozentzahl einer Steigung ist.
Gerade in Verbindung mit losem Untergrund verlor mein Vorderradantrieb schnell den nötigen Halt.
Nach den Erfahrungen der vorherigen Touren kannte mein „Retter in der Not“ seine Aufgabe mittlerweile ja schon. 🙈
Alleine hätte ich diese Abschnitte mit meinem Elektrorollstuhl nicht bewältigen können.
Nachdem wir die Steigungen hinter uns gebracht hatten, zeigte sich die Tour von einer wesentlich angenehmeren Seite.
Mitten auf der Strecke führte der Weg durch einen wunderschönen Mischwald aus Kiefern und Buchen.
Bei Temperaturen um die 30 °C war das grüne Blätterdach über uns eine echte Wohltat.
Nach der Anspannung an den vorherigen Steigungen konnte ich hier endlich wieder etwas entspannter fahren und die Umgebung genießen.
Gegen Ende der Tour führte die Strecke aus dem Wald wieder hinunter in Richtung Wolsfeld.
Zum Glück verlief dieser Abschnitt über eine asphaltierte Straße.
Hier maß ich ein Gefälle von bis zu:
20 Grad / ca. 36,4 %
Trotz des hohen Wertes war der feste Asphalt für meinen Elektrorollstuhl deutlich angenehmer als die losen Untergründe an den vorherigen Steigungen.
Von nun an war es allerdings mit dem angenehmen Schatten vorbei.
Umgeben von Feldern und Wiesen wurden wir von der Sonne regelrecht gebrutzelt.
Inzwischen waren es etwa 38 °C.
Dass es an diesem Tag noch so heiß werden würde, hatten wir nicht erwartet. Die Luft war einfach nur ekelig und wir waren inzwischen ziemlich platt.
Als wir schließlich wieder in Wolsfeld ankamen, hatten wir vor allem eines:
Durst.
Und zwar richtig.
Also hielten wir Ausschau nach einer Gaststätte.
Und dann entdeckte ich im Hinterhof eines Hauses tatsächlich ein Schild:
„Biergarten“
Das sah in diesem Moment ziemlich einladend aus.
Ich überlegte nicht lange und bog mit meinem Rollstuhl direkt in die Hofeinfahrt ein. 😄
Währenddessen kam mein „Retter in der Not“ mit dem Herrn ins Gespräch, der dort gerade sein Wohnmobil belud.
Dabei stellte sich ziemlich schnell heraus:
Das war überhaupt kein Biergarten.
Wir standen auf einem Privatgrundstück und das Biergarten-Schild war lediglich Dekoration. 🙈
Das haben wir in diesem Moment wirklich sehr bedauert, denn nach der Fahrt in dieser Hitze hätten wir gegen ein kaltes Getränk absolut nichts einzuwenden gehabt.
Einen interessanten Tipp für Rollstuhlnutzer gibt es direkt in Wolsfeld noch dazu:
den barrierefreien Themenweg „Baukultur Eifel“.
Wir selbst haben ihn aufgrund der hohen Temperaturen an diesem Tag nicht mehr erkundet. Deshalb kann ich an dieser Stelle keine eigene Einschätzung zur Befahrbarkeit geben.
Der Naturpark beschreibt den Weg als stufenlos und durchgehend leicht begeh- und befahrbar. Er ist mindestens 135 cm breit und weist laut Prüfbericht eine maximale Längsneigung von 6 % auf 50 Metern auf. An der St.-Hubertus-Kirche befinden sich außerdem ein gekennzeichneter Behindertenparkplatz und ein mit Euroschlüssel zugängliches barrierefreies WC. Der Weg ist aktuell nach „Reisen für Alle*“ zertifiziert.
➡️ Barrierefreier Themenweg „Baukultur Eifel“ in Wolsfeld*
Den würde ich mir bei einem weiteren Besuch in Wolsfeld auf jeden Fall einmal genauer anschauen.
Aus Sicht meiner persönlichen Befahrung mit meinem Outdoor-Elektrorollstuhl bewerte ich den Wanderweg Nr. 71 kritisch.
Positiv aufgefallen sind mir:
✅ schöne und abwechslungsreiche Landschaft
✅ angenehme Waldabschnitte mit viel Schatten
✅ asphaltierter Untergrund auf dem starken Gefälle Richtung Wolsfeld
Für mich problematisch waren:
❌ Steigung von 14 Grad / fast 25 % bereits nach etwa 1,8 Kilometern
❌ weitere Steigungen bis 15 Grad / ca. 26,7 %
❌ loser Schotter in Verbindung mit starken Steigungen
❌ durchdrehende Vorderräder
❌ mehrere Abschnitte für mich nicht selbstständig befahrbar
⚠️ Gefälle bis 20 Grad / ca. 36,4 %
⚠️ bei unserem Besuch extreme Hitze auf den offenen Feld- und Wiesenabschnitten
Ohne die Unterstützung meines „Retters in der Not“ hätte ich die Tour bereits an der ersten starken Steigung abbrechen müssen.
Meine Einschätzung bezieht sich ausdrücklich auf meinen Outdoor-Elektrorollstuhl mit Vorderradantrieb und mein persönliches Test-Setup. Der Naturpark hat die Route für die Nutzung mit einem Rollstuhlzuggerät ausgewiesen. (Naturpark Südeifel)*
Mein Fazit fällt bei dieser Tour leider ähnlich aus wie bei einigen unserer vorherigen Strecken:
Für meinen Outdoor-Elektrorollstuhl ist der Wanderweg Nr. 71 in Wolsfeld nicht geeignet.
Dabei waren es auch hier nicht allein die hohen Steigungswerte, die für mich zum Problem wurden.
Entscheidend war wieder die Kombination aus starker Steigung und losem Untergrund.
Meine Vorderräder verloren den nötigen Halt und begannen durchzudrehen. Ohne Unterstützung hätte ich bereits die erste größere Steigung nicht bewältigen können.
Schade fand ich das vor allem deshalb, weil die Tour landschaftlich durchaus schöne Abschnitte zu bieten hatte. Besonders der schattige Mischwald tat bei den hohen Temperaturen richtig gut.
Und unser vermeintlicher Biergarten sorgte am Ende zumindest noch für eine Geschichte, über die wir heute lachen können. 😄
Noch einmal würde ich diese Tour mit meinem Outdoor-Elektrorollstuhl allerdings nicht fahren.
Alle Angaben zur Barrierefreiheit, Wegbeschaffenheit, Steigungen und möglichen Einschränkungen beruhen auf meinen persönlichen Erfahrungen, den Bedingungen zum Zeitpunkt meines Besuchs sowie auf einer sorgfältigen Recherche.
Mein Ziel ist es, möglichst transparent zu zeigen, welche Erfahrungen ich unter meinen individuellen Voraussetzungen auf der jeweiligen Strecke gemacht habe. Was für mich mit meinem Rollstuhl gut oder nicht gut befahrbar war, muss daher nicht automatisch für andere Menschen mit anderen Hilfsmitteln oder Voraussetzungen gelten.
Bitte beachtet, dass sich Wegbeschaffenheit, Beschilderung, Barrierefreiheit, Witterung, Vegetation, bauliche Gegebenheiten oder Nutzungsbedingungen jederzeit verändern können.
Jeder sollte deshalb die eigenen körperlichen Voraussetzungen und Fähigkeiten, die technischen Grenzen seines Hilfsmittels, die Wetterbedingungen sowie die aktuellen örtlichen Gegebenheiten selbst einschätzen und entsprechend handeln.
Die Nennung und Verwendung meines Hilfsmittels dient ausschließlich der Dokumentation meiner persönlichen Praxiserfahrungen und stellt keine Werbung oder Empfehlung für einen bestimmten Elektrorollstuhl oder Hersteller dar.
Trotz größter Sorgfalt übernehme ich keine Gewähr für die Vollständigkeit, Aktualität oder individuelle Eignung der beschriebenen Strecke.
Diese Serie ist kein Produkttest, sondern ein Praxisvergleich auf denselben Wegen.
Die ausgewählten Routen wurden vom Naturpark Südeifel ausschließlich mit Swiss-Tracs und den dazugehörigen Rollstühlen getestet. Ich selbst bin die Touren nicht mit einem Swiss-Trac gefahren.
Ich dokumentiere, wie sich dieselben Strecken mit meinem Outdoor-Elektrorollstuhl befahren ließen. Dabei bewerte ich weder den Swiss-Trac noch meinen Elektrorollstuhl als Produkt.
Die offiziellen Einstufungen und Empfehlungen des Naturparks beziehen sich auf die dort getestete Kombination aus Swiss-Trac und dazugehörigem Rollstuhl. Meine Einschätzungen beziehen sich dagegen ausschließlich auf meine eigenen Fahrten mit meinem Outdoor-Elektrorollstuhl.
Genau darin liegt für mich der interessante Praxisvergleich:
Derselbe Weg kann mit unterschiedlichen Hilfsmitteln ganz unterschiedliche Herausforderungen mit sich bringen.
💚 Ich hoffe, dass euch meine Erfahrungen bei eurer eigenen Planung helfen, und wünsche euch viele schöne und sichere Momente in der Natur.