Südeifel mit Elektrorollstuhl – 5 Swiss-Trac-Touren im Praxistest - 6 Tage Auszeit im Naturpark Südeifel

Südeifel mit Elektrorollstuhl – fünf Swiss-Trac-Touren im Praxistest.Outdoor-Elektrorollstuhl und Swiss-Trac mit Rollstuhl vor einer Landschaft der Südeifel

Inhaltsverzeichnis

Sechs Tage waren wir in der Südeifel unterwegs und natürlich wollte ich auch dieses Mal wieder möglichst viel von der Region mit meinem Outdoor-Elektrorollstuhl erkunden.

Bei meiner Suche nach Touren für die Südeifel mit Elektrorollstuhl bin ich auf Wanderwege des Naturparks Südeifel aufmerksam geworden, die speziell für die Nutzung mit einem Swiss-Trac und dem dazugehörigen Rollstuhl getestet wurden.

Das fand ich spannend. Denn wie würden sich dieselben Wege eigentlich mit meinem Outdoor-Elektrorollstuhl fahren lassen?

Also haben wir uns während unserer Tage in der Südeifel fünf dieser Touren vorgenommen.

Und dabei zeigte sich ziemlich schnell, wie unterschiedlich ein und derselbe Weg mit verschiedenen Hilfsmitteln sein kann.

Mal waren starke Steigungen auf festem Untergrund für mich erstaunlich gut machbar. An anderer Stelle reichte schon die Kombination aus Steigung und losem Schotter, damit meine Vorderräder durchdrehten und ich ohne meinen „Retter in der Not“ nicht mehr weitergekommen wäre.

Genau diese Erfahrungen möchte ich in meiner Beitragsreihe

„Mit dem Elektrorollstuhl auf den Swiss-Trac-Touren der Südeifel“

zeigen.

Dabei geht es nicht darum, den Swiss-Trac mit meinem Elektrorollstuhl zu vergleichen oder eines der Hilfsmittel zu bewerten. Vielmehr möchte ich dokumentieren, welche Erfahrungen ich auf denselben Wegen unter meinen persönlichen Voraussetzungen gemacht habe.

♿ Fünf Touren – ein anderes Hilfsmittel

Die ausgewählten Wanderwege wurden vom Naturpark Südeifel mit Swiss-Tracs und den dazugehörigen Rollstühlen getestet. Ich selbst war auf diesen Wegen jedoch mit meinem Outdoor-Elektrorollstuhl unterwegs.

Mich interessierte, wie sich dieselben Wege mit meinem Rollstuhl unter meinen persönlichen Voraussetzungen fahren lassen.

Denn genau das hat sich während dieser fünf Touren immer wieder gezeigt:

Derselbe Weg kann mit unterschiedlichen Hilfsmitteln ganz unterschiedliche Herausforderungen mit sich bringen.

♿ Mein Test-Setup für die Touren

Damit ihr meine Erfahrungen auf den einzelnen Strecken besser einordnen könnt, hier die wichtigsten Angaben zu meinem Test-Setup:

   
Hilfsmittel Outdoor-Elektrorollstuhl
⚙️ Antrieb Vorderradantrieb
📈 Maximale Steigfähigkeit laut Hersteller 18 %
⚖️ Leergewicht Rollstuhl 152 kg
👤 Körpergewicht ca. 70 kg
🎒 Zusätzliche Ausrüstung/Gepäck ca. 10 kg
⚖️ Gesamtgewicht ca. 232 kg
📱 Messung der Steigungen Outdooractive-App

Die jeweiligen Wetterbedingungen sowie die Besonderheiten der einzelnen Strecken findet ihr ausführlich in meinen Tourenberichten.

💡 Hinweis zu den Steigungsangaben

In meinen Tourenberichten nenne ich sowohl Grad (°) als auch Prozent (%).

Der Grund dafür ist einfach: Die maximale Steigfähigkeit von Rollstühlen und Elektromobilen wird von den Herstellern meist in Prozent angegeben, während Apps häufig Grad anzeigen.

Da Grad und Prozent nicht miteinander gleichzusetzen sind, nenne ich in meinen Tourenberichten – soweit möglich – beide Werte.

Damit ist auch klarer, warum beispielsweise 15 Grad nicht 15 % entsprechen.

Meine 5 Touren im Naturpark Südeifel

Während unserer sechs Tage habe ich fünf der offiziell mit Swiss-Trac und dazugehörigem Rollstuhl getesteten Touren mit meinem Outdoor-Elektrorollstuhl erkundet.

Dabei hätte ich vorher nicht gedacht, wie unterschiedlich meine Erfahrungen auf diesen Wegen ausfallen würden.

Fünf Touren – fünf ganz unterschiedliche Erfahrungen

Wenn ich mir unsere fünf Touren im Nachhinein anschaue, waren die Unterschiede wirklich enorm.

Es gab Streckenabschnitte mit sehr hohen Steigungs- oder Gefällewerten, die ich auf festem Untergrund überraschend gut fahren konnte.

Und dann gab es wiederum niedrigere Steigungswerte, bei denen loser Schotter dafür sorgte, dass meine Vorderräder keinen ausreichenden Halt mehr fanden.

Auch auf diesen fünf Touren habe ich wieder gemerkt, was für einen Unterschied der Untergrund macht. Untergrund, Antrieb, Wendigkeit und die jeweilige Situation spielen für mich mindestens genauso eine Rolle.

Genau deshalb findet ihr in jedem meiner Tourenberichte nicht nur Kilometerangaben und gemessene Steigungen, sondern auch Informationen zur Wegbeschaffenheit und mein persönliches Test-Setup.

So könnt ihr besser einordnen, unter welchen Bedingungen meine Erfahrungen entstanden sind.

Und eines steht für mich nach diesen fünf Touren fest:

Einen einzigen Satz wie „Diese Tour ist für Rollstuhlfahrer geeignet“ kann es für mich eigentlich kaum geben.

Dafür sind Rollstühle, Antriebe, persönliche Voraussetzungen und letztendlich auch die Wege selbst einfach viel zu unterschiedlich.

Unterwegs in Neuerburg

Während unserer Tage in der Südeifel blieb natürlich auch Zeit, Neuerburg selbst ein wenig genauer zu erkunden. Und dabei gab es wirklich einiges zu entdecken.

Die kleine Altstadt mit ihren historischen Gebäuden, der hoch über dem Ort gelegenen Burg, den Kirchen und vielen kleinen Sehenswürdigkeiten hat uns gut gefallen. Gleichzeitig habe ich Neuerburg natürlich auch wieder aus meiner Perspektive als Rollstuhlfahrerin erlebt und dabei gab es durchaus einige Herausforderungen.

Das Schwarzbildchen und die Sage von Ritter Kuno

Eine besondere Entdeckung in Neuerburg war für mich das Schwarzbildchen, eine alte Wallfahrtsstätte oberhalb der Burg.

In einer rund 700 Jahre alten hohlen Eiche befindet sich eine 46 Zentimeter große Madonna, eine Nachbildung der Altöttinger Madonna aus dem 17. Jahrhundert. Durch ihr Alter und den Rauch der Kerzen hat sich die Figur im Laufe der Zeit dunkelbraun bis fast schwarz verfärbt ,daher stammt auch der Name „Schwarzbildchen“.

Mit diesem Ort ist außerdem die Sage von Ritter Kuno von Falkenstein verbunden. Der Überlieferung nach wurde er von seinem Rivalen, dem Grafen von Vianden, verfolgt. Maria soll ihm die hohle Eiche gezeigt haben, in der er sich vor seinen Verfolgern verstecken konnte.

An diese Geschichte erinnert auch der Ritter-Kuno-Blick am Neuer-Burg-Weg. Die dort aufgestellten Elemente sind einem hohlen Baum nachempfunden und greifen gleichzeitig die Form eines Ritterhelms auf. Von dort richtet sich der Blick auf die Burg Neuerburg , einen der Orte, die in der Sage um Ritter Kuno eine wichtige Rolle spielen.

Burg Neuerburg

Hoch über der Stadt thront die Burg Neuerburg, die bereits 1132 erstmals urkundlich erwähnt wurde. Ihre ältesten erhaltenen Bauteile stammen aus dem 12. Jahrhundert. Später wurde die Anlage mehrfach erweitert und befestigt.

1692 wurden große Teile der Festungsanlage durch französische Truppen gesprengt.

Heute gehört die Burg der Stadt Neuerburg und wird als Jugendburg genutzt. Der Innenhof und die Burgkapelle können besichtigt werden.

Unsere kleine Entdeckung auf der Burg.

Könnt ihr die Beiden entdecken?Eine kleine Überraschung wartete auf uns an der Burg: Zwei Turmfalken saßen dort in einem der Fenster.

Mit meiner Kamera konnte ich die beiden näher heranzoomen und so noch richtig schön beobachten. 

Solche kleinen Entdeckungen sind es, die mir unterwegs immer besonders in Erinnerung bleiben.

Innenhof

Ausblick von der Burg hinab auf Neuerburg.

Die Kreuzkapelle am Jakobsweg

Die Kreuzkapelle in Neuerburg liegt an der Via Coloniensis, dem historischen Jakobsweg von Köln nach Trier.

Nach der Überlieferung soll hier bereits 1619 ein kleines Bethaus gestanden haben. Die heutige barocke Kapelle entstand Anfang des 18. Jahrhunderts und liegt ruhig am Berghang oberhalb von Neuerburg. In ihrer Nähe befand sich früher außerdem eine Eremitage, die bis 1783 von Einsiedlern bewohnt wurde.

Der zur Kapelle führende Kreuzweg wurde 1896 errichtet.

Für mich war der Weg dorthin allerdings alles andere als einfach. Alleine wäre ich mit meinem Elektrorollstuhl nicht bis zur Kreuzkapelle hinaufgekommen. Die Steigung konnte ich nur rückwärts und mit Unterstützung bewältigen.

Pfarrkirche St. Nikolaus

Da wir für unseren Pilgerpass noch einen Stempel suchten, besuchten wir, wie wir es unterwegs eigentlich immer machen , auch die Kirche des Ortes.

Die spätgotische Pfarrkirche St. Nikolaus wurde ab 1492 erbaut und liegt direkt unterhalb der Burg Neuerburg.

Im Vorfeld hatte ich mich bereits informiert, welcher Heilige in der Kirche mit einer Pilgermuschel dargestellt wird. Es ist der heilige Rochus, der die Muschel oberhalb am Ärmel trägt.

Rochus gilt unter anderem als Schutzheiliger der Pilger und als Pestheiliger. Außerdem wird er als Patron der Siechenhäuser und erkrankter Haustiere angerufen. Ein passendes Detail an einem Ort, der direkt an der Via Coloniensis liegt.

Und zu meiner Freude gab es in der Kirche natürlich auch noch das, wonach wir gesucht hatten: einen Pilgerstempel für unseren Pilgerpass. 😊

Der Neuerburger Nepomuk

Direkt an der Enz am Neuerburger Marktplatz steht die Statue des heiligen Johannes von Nepomuk aus dem Jahr 1740.

Als Schutzpatron der Brücken und gegen Wassergefahren findet man Darstellungen des Heiligen häufig an Flüssen und Brücken – so auch hier am Zugang zur Brücke über die Enz.

Bei der Regulierung der Enz 1978/79 wurde die Statue etwas versetzt und in die neue Brüstungsmauer integriert.

Der Marktbrunnen

Ein weiterer Blickfang im Zentrum von Neuerburg ist der Marktbrunnen aus Bronze. Er wurde 1982 von dem Aachener Künstler Bonifatius Stirnberg geschaffen.

Stadtpark mit Wasserfällen

Unterhalb der Burg liegt der kleine Stadtpark von Neuerburg mit Weiher und den beiden Wasserfällen der Enz an der alten herrschaftlichen Mühle.

Eigentlich stürzt das Wasser hier direkt hinter den beiden Brücken in die Tiefe. Bei unserem Besuch zeigte sich allerdings ein ganz anderes Bild: Durch die anhaltende Trockenheit führten die Wasserfälle kein Wasser.

Schade – denn gerade auf dieses kleine Naturschauspiel hatte ich mich gefreut.

Mit dem Rollstuhl durch Neuerburg

So schön die historische Altstadt von Neuerburg ist, mit dem Rollstuhl sollte man sich auf einige Herausforderungen einstellen.

Viele der alten Straßen haben noch hohe Bordsteinkanten und nicht überall gibt es eine passende Absenkung. Das habe ich auf dem Weg hinauf zur Burg selbst erlebt: Wegen einer fehlenden Bordsteinabsenkung konnte ich an einer Stelle nicht weiterfahren und musste einige hundert Meter rückwärts über den ohnehin schmalen Bürgersteig zurückfahren. Das war alles andere als angenehm.

Hinzu kommen teilweise enorme Steigungen im Ort. Mit meinem Elektrorollstuhl waren einige davon schon eine Herausforderung. Mit einem manuellen Rollstuhl stelle ich mir manche Wege ohne Unterstützung entsprechend schwierig vor.

Auch zur Kreuzkapelle wäre ich alleine nicht hinaufgekommen. Dort konnte ich die Steigung nur rückwärts und mit Hilfe bewältigen.

Neuerburg ist für mich ein wunderschöner Ort, der für Rollstuhlfahrer aber durchaus einige Herausforderungen bereithält.

Und etwas möchte ich zum Schluss unbedingt noch erwähnen: Die Menschen, denen wir in Neuerburg begegnet sind, waren wirklich unglaublich freundlich. Das ist mir von unserem Besuch besonders positiv in Erinnerung geblieben.

♿ Informationen zu den Swiss-Trac-Touren im Naturpark Südeifel

Der Naturpark Südeifel stellt ausführliche Informationen zu den mit Rollstuhlzuggeräten getesteten Wanderwegen zur Verfügung.

Dazu gehören unter anderem detaillierte Routenpläne mit Angaben zu Steigungen, Bordsteinen und weiteren Besonderheiten sowie Informationen zu den unterschiedlichen Schwierigkeitsstufen.

Wer eine dieser Touren plant, sollte sich die offiziellen Unterlagen deshalb unbedingt vorab ansehen und herunterladen*.

♿ Swiss-Trac ausleihen

Wer keinen eigenen Swiss-Trac besitzt, kann ein Rollstuhlzuggerät gegen eine geringe Gebühr an verschiedenen Service-Stationen im Naturpark Südeifel ausleihen.

Eine dieser Verleihstationen befindet sich beispielsweise im euvea Freizeit- und Tagungshotel in Neuerburg*.

⚠️ Hinweis in eigener Sache

Alle Angaben zur Barrierefreiheit, Wegbeschaffenheit, Steigungen und möglichen Einschränkungen beruhen auf meinen persönlichen Erfahrungen, den Bedingungen zum Zeitpunkt meines Besuchs sowie auf einer sorgfältigen Recherche.

Mein Ziel ist es, möglichst transparent zu zeigen, welche Erfahrungen ich unter meinen individuellen Voraussetzungen auf der jeweiligen Strecke gemacht habe. Was für mich mit meinem Rollstuhl gut oder nicht gut befahrbar war, muss daher nicht automatisch für andere Menschen mit anderen Hilfsmitteln oder Voraussetzungen gelten.

Bitte beachtet, dass sich Wegbeschaffenheit, Beschilderung, Barrierefreiheit, Witterung, Vegetation, bauliche Gegebenheiten oder Nutzungsbedingungen jederzeit verändern können.

Jeder sollte deshalb die eigenen körperlichen Voraussetzungen und Fähigkeiten, die technischen Grenzen seines Hilfsmittels, die Wetterbedingungen sowie die aktuellen örtlichen Gegebenheiten selbst einschätzen und entsprechend handeln.

Die Nennung und Verwendung meines Hilfsmittels dient ausschließlich der Dokumentation meiner persönlichen Praxiserfahrungen und stellt keine Werbung oder Empfehlung für einen bestimmten Elektrorollstuhl oder Hersteller dar.

Trotz größter Sorgfalt übernehme ich keine Gewähr für die Vollständigkeit, Aktualität oder individuelle Eignung der beschriebenen Strecke.

⚠️ Wichtig zur Einordnung dieser Beitragsreihe

Diese Serie ist kein Produkttest, sondern ein Praxisvergleich auf denselben Wegen.

Die ausgewählten Routen wurden vom Naturpark Südeifel ausschließlich mit Swiss-Tracs und den dazugehörigen Rollstühlen getestet. Ich selbst bin die Touren nicht mit einem Swiss-Trac gefahren.

Ich dokumentiere, wie sich dieselben Strecken mit meinem Outdoor-Elektrorollstuhl befahren ließen. Dabei bewerte ich weder den Swiss-Trac noch meinen Elektrorollstuhl als Produkt.

Die offiziellen Einstufungen und Empfehlungen des Naturparks beziehen sich auf die dort getestete Kombination aus Swiss-Trac und dazugehörigem Rollstuhl. Meine Einschätzungen beziehen sich dagegen ausschließlich auf meine eigenen Fahrten mit meinem Outdoor-Elektrorollstuhl.

Genau darin liegt für mich der interessante Praxisvergleich:

Derselbe Weg kann mit unterschiedlichen Hilfsmitteln ganz unterschiedliche Herausforderungen mit sich bringen.

💚 Ich hoffe, dass euch meine Erfahrungen bei eurer eigenen Planung helfen, und wünsche euch viele schöne und sichere Momente in der Natur.

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